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Schlagwort: Losschreiben

Warum Schreiben?

Wir beide, Jana und Carmen, haben sehr unterschiedliche Wege hinter uns, die uns zu diesem Punkt gebracht haben, an dem wir nun stehen.
Der Punkt, an dem wir beide beschlossen haben, dass wir schreiben wollen, zusammen einen Blog führen wollen.
Einfach unten auf den jeweiligen Namen klicken und wir erzählen Dir unsere Geschichte. Und wir würden uns freuen, wenn Du uns einen Kommentar hinterlässt.

Meine erste abgeschlossene Kurzgeschichte entstand im Studium während einer sehr langweiligen Vorlesung und befindet sich hier auf diesem Blog (Die Traumkönigin). Es geht dabei um einen Mann, der Träume für etwas Schädliches hält und dies mit seinem Leben bezahlt. Während des Schreibens waren die Worte beinahe von selbst aus mir heraus auf das Papier geflossen. Zu Schreiben hatte sich so richtig angefühlt, dass ich wusste: Das ist es, was ich für den Rest meines Lebens tun will. Das Dumme war nur: Mein Studium ging dem Ende zu, mein folgender Job war klar, neue Stadt, neues Leben, alles war fix: Es passte so gar nicht, jetzt umzudrehen.
 
Hätte ich das nicht vorher wissen können? Vielleicht. Ich war ein fantasievolles Kind, lebte meist in meiner eigenen Welt, konnte mich Stunden mit einem Topf und einem Küchentuch beschäftigen und mir dazu immer neue Geschichten ausdenken.
Ich habe bis heute eine Dauerkarte fürs Kopfkino.
 
Ich erinnere mich auch an viele Schreibversuche, halbfertige Geschichten so etwa ab der 5. Klasse. Später habe ich eigene Songs geschrieben, ein paar Gedichte und sogar ein Puppentheaterstück.
Aber dass ich schreiben kann, also so richtig, so quasi ein Buch, das hatte ich schlicht nicht auf dem Schirm. Überhaupt frage ich mich heute, wie ich als professionelle Leseratte nicht auf die Idee kommen konnte, beruflich mal was mit Büchern zu machen. Und so stand ich plötzlich zwischen allen Stühlen und mir wurde klar: Es wird dich zerreißen.
 
Die langweilige Vorlesung ist 14 Jahre her. Was ist in diesen Jahren passiert?
 
Am Anfang stand eine kurze „Dann schreib ich jetzt halt schnell einen Roman.“-Phase, die leider nirgendwo hinführte. Dann kam die Leugnung, die sich alle paar Jahre wiederholte und mich zielsicher in die Depression brachte. Dazwischen eine längere Phase als Fanfiktion-Autorin, in der
ich meinen Stil entwickelt und viel handwerklich ausprobiert habe. Dabei sind immer wieder auch eigene Werke entstanden. Parallel brauchte ich einige Versuche, um mein Broterwerbsleben und mein Schreibleben in eine für mich passende Co-Existenz zu bringen.
 
Anfang letzten Jahres fasste ich dann den Entschluss, es ernsthaft anzugehen, das mit dem Autorin werden. Ich habe Schreibkurse besucht, mir Mitstreiter*innen zum regelmäßigen Austausch gesucht, zwischenzeitlich den ersten Entwurf meines ersten Romans beendet, so viel geschrieben, wie noch nie zuvor in meinem Leben… ja… es läuft.
 
Immer mal wieder übermannen mich Zweifel (lies hier), aber ich fürchte nicht mehr, die Traumkönigin könnte mich aus ihrem Spiegel wischen.

Gelesen habe ich gefühlt schon immer. Anfangs mit Hilfe dieser RiRaRutsch-Kinderbücher von Margarete Rettich, in denen viele Wörter mit Bildern ersetzt worden sind, so dass Mama oder Papa den Text und ich die Bilder „lesen“ durfte. Langsam aber sicher habe ich so gelernt, wie viele Wörter zwischen den Bildern stehen, welche das sind und – oha – auf einmal konnte Klein-Carmen selbst lesen. Damit war der Schritt zum Schreiben nicht mehr weit und bereits im Kindergarten schrieb ich eigene Geschichten von „böhsen Risen“ im „Walt“. Rechtschreibung sollte niemanden abhalten. 😉 
(Vielleicht erkennt ihr hier die Inspiration für die „Lilly schreibt ein Buch„-Reihe).

Als Kind wollte ich immer Autorin werden. Neben Clown, Tierärztin, Dompteurin (von weißen Tigern und Geparden) und Tierfilmerin. Autorin war definitiv unter den ersten 10 Optionen für den späteren Beruf. Dann kam das Gymnasium, ich konnte mich mit einigen Texten in der Klasse profilieren, aber die Kinderträume rutschten in eine staubige, selten besuchte Ecke im Hinterkopf. Dann kam die Uni, das Studium, die fremde Stadt und ich vergaß.

Bis meine Mitbewohnerin mich überzeugte, doch einen Theaterworkshop mit ihr zu besuchen, da gäbe es auch Clown-Kurse. Oh, ich war angefixt. Die Erinnerung an Kinderträume erwachte langsam. Ein Lichtstreifen fiel auf die staubige Ecke im Hinterkopf.
Und ihr müsst euch die Gänsehaut vorstellen, als ich erfuhr, dass es auf diesem Theaterworkshop nicht nur einen Clown-Kurs gibt, sondern auch einen Schreibkurs!
Es fing langsam wieder an. Ein Schreibkurs im November pro Jahr, während des Jahres ein paar vernachlässigbare Schreibübungen, aber die Freude auf den November war allgegenwärtig.
Ich war noch nie die Schnellste. Es hat zwei oder drei Jahre gebraucht, bis ich auf die Idee kam – warum eigentlich auf November warten? Ernsthaft warum?

Als ich keine Antwort auf diese Frage fand, suchte ich mir Schreibkurse in meiner Stadt, ging hin … kam auf Ideen, neue Idee, wunderbare Ideen, die aufgeschrieben werden mussten. Ich traf Jana und die anderen Mitglieder unserer Schreibgruppe „Die Schneekirschen“. 
Ich erinnere mich, wie wir als Einzelpersonen in diesem Kurs saßen, gefühlt alle etwas scheu, unsere Texte vorzulesen, die doch ein Teil von uns sind. Sich gefühlt schutzlos diesen fremden Menschen zu überlassen. Mich gefühlt schutzlos Euch zu überlassen.

Aber so ist das nicht. Ja, die Texte sind immer zu 100% ich. Zu 100% die Version, dich zu diesem einen Zeitpunkt sein will. Ich wurde stärker und selbstbewusster während des letzten Jahres. Ich konnte so viele Versionen meiner selbst ausleben und habe so viele Versionen meiner selbst in der Pipeline, die ausgelebt werden wollen. Und mit den Schneekirschen und Jana habe ich Menschen, die das akzeptieren, respektieren und mir kontruktiv mitteilen, wo die Technik verbessert werden kann, die Aussagekraft klarer gestaltet werden kann …Aber ich weiche vom Thema ab, die Schneekirschen sind eine andere Geschichte.

Wie bin ich also zum Schreiben gekommen? Die Kurzfassung: Durch das Lesen der Gute-Nacht-Geschichten mit meinen Eltern.
Die lange Fassung: Keine Ahnung. Schicksal? Der Wunsch, mich auszuleben? Ein Theaterworkshop an der tschechischen Grenze? Kluge, fantasievolle Mitstreiter*innen?

Ich denke, die ehrlichste Antwort lautet: Wegen der Gänsehaut.

Einer von Carmens ersten Texten aus dem Schreibkurs des Theater-Workshops. Klick aufs Bild, um zur Geschichte zu kommen.
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Wortspiele

Was machen Autorinnen, wenn sie nicht mehr weiter wissen? Ich puste mir ganz gerne den Kopf frei mit lustigen Schreibübungen. Hier mal ein paar Beispiele, was dabei so herauskommen kann. Die Übung habe ich in einem Kurs bei Julia Hagemann kennen- und liebengelernt. Viel Spaß!

Schreibübung – zwei zusammengesetzte Hauptwörter neu kombinieren, dann drauf los schreiben…
Wörter: Generalsekretär / Verkehrsknoten
neues Wort: Verkehrssekretär
Schreibzeit: 4 Minuten

Für Sigmund Igebert war es der größte Tag in seinem Leben. Er hätte nicht stolzer sein können. Jahrelang hatte er sich aufgeopfert, wichtigen und weniger wichtigen Menschen geschmeichelt und im wahrsten Sinne des Wortes die Schuhe geleckt. „Sei immer gründlich“, hatte seine Mutter ihm eingebläut. „Man kann nie wissen!“

Er wusste, es gab viele, die über ihn spotteten, doch er wusste auch, heute würde ihnen das Grinsen vergehen. Heute da er zum Verkehrssekretär ernannt werden würde. Ja, der Titel klang nicht wie General oder Major, aber tatsächlich bekleidete er ab heute eines der wichtigsten Ämter im Staat. Denn als Verkehrssekretär bestimmte er, wer im Land mit wem intim verkehren durfte. Die Zukunft der Bürger lag in seinen Händen, und ja, er würde sich rächen!

Schreibübung – zwei zusammengesetzte Hauptwörter neu kombinieren, dann drauf los schreiben…
Wörter: Stempelkissen / Spielregeln
neues Wort: Stempelregeln
Schreibzeit: 5 Minuten

Als Jo ihren neuen Job in der behördlichen Oberbehörde antrat, hatte sie damit gerechnet, dass vieles anders werden würde. Die behördliche Oberbehörde zur Überprüfung unterer Behörden war berühmt für ihre strengen Hierarchien, genau geregelten Dienstabläufe und ihre Detailversessenheit. Doch Jo glaubte, damit schon irgendwie fertig zu werden. Sie hielt sich für äußerst anpassungsfähig und die behördliche Oberbehörde zahlte gut.

Dann jedoch machte ihr Chef, Ernst Müller, sie mit den Stempelregeln vertraut.

„Regeln fürs Stempeln?“, sie musste sich verhört haben.

„Nun, natürlich. Sie wissen, gerade beim Stempeln kann es bei Unachtsamkeit zu einer hohen Ressourcenverschwendung und vielen Missverständnissen kommen. Doch keine Sorge, mein 23-Punkt-Plan wird jeden Fehler verhindern!

Punkt eins: Halten Sie in einem Aktenvermerk schriftlich fest, was genau Sie zu welchem Zweck stempeln wollen. Punkt 2:…“

Jo kündigte etwa eine Stunde später. Vorher ließ Ernst Müller sie nicht zu Wort kommen.


Du willst mehr über Jo und undurchsichtige Bürolabyrinthe erfahren?
Dann empfehle ich Dir „Über Zitronenfalter“. Lies los!

Lieber noch mehr mehr Wortspiele? Kommt sofort!

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