Geschichten. Überall und Jederzeit

Autor: Gast

Trilogie des Liebens – Teil 2

von Gastautorin Verena Zelger

Wie begann nochmal die Geschichte zwischen Silke und Tom?
Lies nach! Hier geht’s zu Teil 1.

Silke

Alleine hat sich Silke niemals gefühlt. Sie war sich selbst immer genug. Und kam doch mal Einsamkeit über sie, dann hat sie sich wen gesucht. Einen Franz, Peter oder Andi. Doch jetzt, all die Franzes, Peters, Andis & Co., die helfen nicht gegen dieses Gefühl, gegen das unerfüllte Lieben auf Distanz.

Nach monateandauerndem Selbstversuch ohne ihn, den Tom, da liebt sie ihn noch immer. Auf Weltreise ist sie, allein, erkundet Land um Land, per Auto, Bus, Zug und Flug. Ihre Freunde sagen, wiederholt: Der Tom, der hat dich doch vergessen. Sicher ist er längst verlobt mit einer Summer, Britney oder gar einer Amber. Doch Silke, sie glaubt: Der Tom, so schnell, vergisst sie nicht. In der Mongolei, in der Nähe des Khövgöl Sees, da besucht sie ein Rentiervolk. Sie trifft auf eine Schamanin, die in einer Zeremonie einen Ahnen, Großväterchen, anruft. Und Silke, sie bittet um Rat. In Trance verfallen ist sie, die Nomadin, und Großväterchen, er spricht durch sie: „Jeder Schritt ist vorbestimmt, höre gut zu und deute die Zeichen.“

Jeden Tag der Woche träumt Silke von Tom. Er könne es nicht mehr lange ertragen, ohne sie, ja, die Silke, zu sein. Die Träume weisen ihr einen Weg. Zurück in die Stadt will sie, nach Ulan Batar. Und dann nach Chicago fliegen, den Tom wieder sehen. Den Plänen folgen Taten, so ist sie, die Silke und so kennt man sie. Sie bucht ein Ticket in seine Stadt. Überraschen will sie ihn, den Tom, der immer noch der Ihre ist.

Am Flughafen von Ulan Batar sieht sie sich um. Ihre Reise um die Welt, die ist erstmal vorbei. Vielleicht wird sie von jetzt an nicht alleine wandeln, sondern mit Tom. Sesshaft werden, mit ihm, dem Geliebten, oder mit ihm die Welt erkunden.

Vom alten Leben verabschieden, so leicht ist das nicht. Doch Silke, sie weiß genau wofür. Für sie und ihn. Für Silke und Tom. Auf nach Chicago, in seine Stadt.

Tom

Chicago. Grau, verregnet. Düster und matt. Farbig und lustig, so fehlt sie ihm. Hier in der Stadt, ist er scheinbar zu Haus‘. Er fühlt den Regen mehr denn je, ein Schleier, so grau, wie grauer Star. Ohne sie, die Silke, fühlt er sich allein.

Die Summers, Britneys, Ambers, sie kommen und geh‘n. Kaum rein zur Tür, schon wieder draußen. Toms Mutter, bei der er nun wieder wohnt, sie rollt mit den Augen. „Lass ihn doch machen“, so sein Vater. „Das geht doch sicher wieder vorbei.“

Nachts fühlt er sich traurig, einsam, krank. Die Summers, Britneys, Ambers, sie können nichts tun, gegen Leere, Kummer, gegen Sehnsucht, nach ihr, nach Silke, nach seiner Frau.

Da schreibt er einen Brief in ihr Wohnheim, an sie, die Silke, die er so vermisst. Ein paar Wochen später kommt der Brief zurück – unzustellbar. Der Stempel so rot wie die Augen von Tom.

Silke

In Chicago, am Flughafen, steigt sie in den Bus. Sie läuft zur Adresse, die er ihr gab – damals, als er Deutschland verließ und Silke zurück blieb und danach auch weg wollte, so wie er. Sich nicht vorstellen konnte, warum er eingestiegen war, in das Flugzeug, und es zuließ, dass sie auseinander gerissen, voneinander getrennt wurden. Und aus Trotz nicht die USA wählte auf ihrer Weltreise, sondern Maui, Thailand, Bali, Indonesien, Australien, Neuseeland, Japan, China, Korea, die Mongolei. Versucht ihn zu vergessen, wird von ihm verfolgt.

Silke steht vor dem Haus von Toms Eltern und sie klingelt und stellt sich ihr vor, der Frau, die Tom geboren hat. Bridget hebt die Schultern, und lässt sie wieder fallen. Tom, der ist weg, auf der Suche nach ihr, nach Silke, der Frau, die er liebt.

Bridget bittet Silke ins Haus. Dort, da umarmen sie sich. Sie essen und trinken, sie lachen und weinen. Sie unterhalten sich, und verstehn‘ sich gut. Und Silke, die bleibt in Chicago, eine Weile und schreibt eine Karte an ihre Mutter, nach Dreitausendseelendorf. Vielleicht ist Tom bei ihr. Wo sonst sollte er sein?

Tom

Drei Jahreszeiten lang hält er, Tom, durch. Im Sommer, da macht er sich auf, nach Europa, nach Dreitausendseelendorf. Dort hält sich Silke sicher nicht auf. Das weiß Tom, fährt trotzdem hin. Es sieht dort aus wie vor einem Jahr. Doch für ihn, Tom, fühlt‘s sich anders an, ohne sie, die Silke, ohne sie. Er macht sich auf und er sucht nach Silkes Mutters Haus und er findet es. Er findet sie. Sie blickt erstaunt, verwirrt. Umarmt ihn, führt ihn ins Haus. Und bringt eine Karte, die war von der Silke. Maui. Die letzte, die die Mutter bekommen hat, zwei Monate ist es schon her. Silke, die Seine, auf Weltreise. Ein Schmunzeln huscht über Toms Gesicht.

Tom, er bleibt ein paar Tage lang. Dreitausendseelendorf, die Verbindung zu ihr. Ihr Kinderzimmer, das er bewohnt. Sechs Tage sind um, da klingelt es. Tom, der ist allein zu Haus. Geht zur Tür, halb wach, frischer Kaffee in seiner Hand. Die Postbotin bringt einen Brief und eine Postkarte. Das Bild – Chicago, seine Stadt. Tom dreht sie um, die Karte, sieht Silkes Schrift. Seine Augen flackern, sein Körper hüpft. Er liest die Karte aufmerksam. Dort ist sie, und er ist hier. Er hier, in Dreitausendseelendorf, sie dort, in seiner Stadt.

Das Schicksal, es ist nicht synchron.

Wie endet die Geschichte von Silke und Tom? Hier geht’s zu Teil 3.

Trilogie des Liebens – Teil 3

Was?!? Die ersten zwei Teile verpasst?
Den Anfang von Silke und Tom gibt es
hier (Teil 1) und hier (Teil 2).

von Gastautorin Verena Zelger 

Silke und Tom

Tom, der kann es kaum erwarten. Läuft auf und ab, geht raus in den Garten und wieder ins Haus. Wartet, bis die Mutter kommt. Doch Elke, die Mutter ist noch unterwegs, sie ist einkaufen für den Abend, will ihm ein schönes Abendessen bereiten, ihm, dem Tom, der ihre Tochter so sehr liebt.

Die Zeit vergeht nicht, und Tom, der schaut auf die Uhr, immer wieder. Nach ein paar Stunden, da hört er den Schlüssel in der Tür und er rennt hin und öffnet sie. Und Elke, die steht da mit ihren vollen Einkaufstüten und sie sieht die Postkarte in Toms Hand und seine Aufregung und dann lächelt sie. Und sie stellt ihre Einkaufstüten ab, mitten im Flur, nimmt die Postkarte und liest. Führt dann den Tom zum Telefon und sagt:

„Na los!“

Er wählt und plötzlich, da weiß er nicht, was er sagen soll, wenn er mit ihr spricht, mit Silke, die er fast ein Jahr nicht gesehen hat. Warten… Rufzeichen, einmal, zweimal, klingeln, ins Leere? Da geht seine Mutter ran:

„Hello?“

„Mum, it’s me!“

Ihr Sohn, der ruft sie niemals an.

„Wait, Tom, she’s already here.“

Silke, sie nimmt das Telefon, ganz aufgeregt, und dennoch klar. Schweigend halten sie die Hörer in ihren Händen, an ihre Ohren.

„Hi“, flüstert er, ihr Tom.

„Hi“, sagt sie, seine Silke.

Erleichtert sind sie, die beiden Mütter. Seelig sind sie, Silke und Tom.

Valentin am See (Romanauszug)

von Gastautorin Nathalie Heil

Valentin machte sich auf den Weg zum See. Es hatte den ganzen Vormittag geregnet und auch wenn die Sonne nun schien, war der Boden matschig. Das senfgelbe Dekor seiner schwarzen Kuhmaulschuhe war nicht mehr zu erkennen, sie waren nahezu völlig braun. Valentin wollte nicht aufsehen, wollte kein Gesicht, keine Menschenseele sehen. Er müsste noch früh genug wieder lächeln. Allein bei dem Gedanken schmerzten seine Wangen. Gelbes und rotes Laub, brauner Matsch. Warum wollte man so einen Nachmittag am See verbringen? Was immer dem Gast gefiel. Wen interessierte schon, was dem Lustknaben gefiel? Am Steg blieb Valentin nichts anderes übrig, als zu warten. Er umklammerte sich selbst. Es war frisch. Warum wollte man so einen Nachmittag am See verbringen? Er sah nicht auf. Rostrote Nebelschwaden über hellglitzerndem Kobalt. Früh genug würde er wieder lächeln müssen. Er ließ seinen Blick in den See fallen in der Hoffnung, er würde darin verschwinden, zu den Kieselsteinen sinken, die sich am Grund befanden. Nicht wieder auftauchen. In Ruhe treiben. Entschlafen. Doch das dunkle Gewässer griff nicht nach ihm, um ihn in die Tiefe zu ziehen. Unnachgiebig hielt es ihm einen Spiegel vor. Einen wabernden, gleißenden Spiegel. Ein blonder, junger Mann, soweit so gut. Glattrasiert, damit er noch jünger wirkte, als er ohnehin schon war. Müde, entsetzlich müde.

Ein so junger Mann sollte nicht so müde sein, nicht zu dieser Stunde. Dafür würde niemand bezahlen.

Kleine Narbe am Auge, verheilte nicht, würde ewig bleiben. Wertlos. Niemand würde dafür bezahlen.

Hängende Mundwinkel. Trauer, bloß nicht weinen, das bringt nichts, hat es noch nie. Müde, kleine Narbe, traurig. Dafür würde niemand bezahlen. Aber sie zahlten, Gott sei Dank. Valentin seufzte. Er wusste, wie er davon ablenken konnte. Er setzte sich sein reizendes Lächeln auf. Verführerisch rot gefärbt vom reflektierenden Laub leuchtete es ihm entgegen. Wellen von der Seite. Es huschte scheußlich verzogen, waberte hin und her.

Grässliches, vernarrtes Funkeln in den Augen. Warum zahlte man dafür? Valentin hätte dafür nicht gezahlt. Reizendes Lächeln. Reizend wie ein Brechreiz.

Ein brauner Leberfleck auf der linken Wange. Wie seine Mutter. Seit Jahren schon konnte er nicht mehr auf ihren Schoß. Ihr Leberfleck war inzwischen bestimmt verwest.

Noch einmal kurz die Muskeln entspannen. Müde, kleine Narbe, traurig, Leberfleck.

Das bin ich.

Der müde, junge Mann sprach Valentin an, mehr als das vernarrt grinsende Zerrbild seiner Selbst, und er wäre gerne zu ihm herabgestiegen, um ihn zu umarmen, in sich aufzunehmen und zu entschlafen. Welch amüsanter Gedanke. Wen interessierte es schon, was er wollte? Das Leben war anstrengend, aber sterben war auch keine Lösung. Was immer dem Gast gefiel. Valentin fuhr sich durchs lange blonde Haar, um es aufzulockern.

Höhnendes Lachen. „Du bist schön genug. Dein Gast ist da.“

Valentin setzte wieder das Lächeln auf und wandte sich um. Manchmal vergaß er, dass der Schläger da war. Leibwache nannte es der Hausherr, Valentin nannte es Schläger. Nur zu seiner Sicherheit. Zur Sicherheit der Investition. Diese war sicher gefährdet. Von außen gefährdet behauptete der Hausherr, aber das war albern. Der Schläger deutete nur ein paar Schritte von Valentin entfernt auf den Steg. Der widerliche Gast reichte ihm die Hand und holte ihn zu sich ins Boot. Valentins unnatürliches Lächeln wurde breiter, als er den Gast anblickte. Er kniff sanft die Augen zusammen, um den Eindruck zu erwecken, sie würden mitlachen.

„Ich liebe dein Lächeln“, sagte der Gast.

Valentin öffnete die Augen. Es war ein Traum gewesen. Seit Jahrhunderten hatte er nicht geträumt. Er war überzeugt gewesen, dass das als Anverwandter gar nicht möglich war. Vielleicht war es aber auch eher eine Wahnvorstellung. So wie die nebelhaften Wachträume seiner Vergangenheit, von denen er genau wusste, dass sie nicht real waren. Gott sei Dank, kam das nur selten vor. Häufig hatte er sich zu Lebzeiten so gefühlt, wie in seinem Traum. Hätte am liebsten sein Leben gegen ewige Ruhe getauscht. Aber der Traum war nie passiert. Es hatte gar keinen See in der Nähe des Etablissements gegeben und der Hausherr hätte ihn niemals unbeaufsichtigt mit einem Gast mitgeschickt. Wer weiß, ob der Gast ihn zurückgebracht hätte. Wer weiß, vielleicht wäre es dem feingliedrigen und doch für damalige Verhältnisse großen Lustknaben ja auch gelungen zu entfliehen? Hätte Valentin überhaupt entfliehen wollen. Er hatte nichts anderes gekonnt. Das Einzige, dass er gelernt hatte, war gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Dem Gast vorzuspielen, was immer dieser sehen wollte. Inzwischen war das anders.

Nie wieder werde ich lächeln, obwohl mir nicht danach ist.

Neben ihm lag das leere Kissen. Er blickte auf sein Smartphone. Keine Nachricht. Benedikt war noch nicht zurückgekommen. Würde er wahrscheinlich auch nicht mehr. Offenkundig war der letzte Ausraster einer zu viel gewesen.

Warum habe ich ihn nur herausgeworfen? Er hat gesagt, dass er mich liebt. Ich wollte es nicht glauben. Ich war so wütend. Warum habe ich nicht mit ihm geredet? Er wollte immer meine Gefühle sehen.

Valentin nahm das Kissen und drückte es fest an sich. Es roch noch nach Benedikts Aftershave. Das wohlduftende Aftershave mit der anziehenden Bergamotte-Note, das Benedikt immer noch auftrug, obwohl er sich inzwischen nicht mehr rasieren musste. Er tat es bestimmt nur, weil er wusste, wie sehr Valentin diesen Duft liebte.

Wir hätten die Ewigkeit gehabt, das zu klären, und ich habe nur ein paar Minuten gebraucht, um es zu zerstören.

Die blutigroten Tränen tropften auf den Bezug. Sie ruinierten das wohlduftende Kissen. Der Verfall hätte es ohnehin bald vernichtet. Wie er es unerbittlich seit Jahrhunderten tat. Das Einzige, das er verschonte, waren die Anverwandten. Wobei sich sicherlich darüber streiten ließ, ob das wirklich eine Gnade war.

Neues aus der U-Bahn oder Fischstäbchen für alle!

von Gastautorin Britta
Kennen Sie das, wenn Sie in der U-Bahn sitzen und Ohrenzeuge von kindlicher Naivität gepaart mit vehementer Bestimmtheit erleben?
 
Großartig sage ich Ihnen! Wo findet man heute noch so kleine alltägliche Träumer? Mir ist einer in der U-Bahn begegnet.
 
Am Sendlinger Tor stieg eine Mutter mit ihren zwei Kindern ein. Der Junge war ca. 4 Jahre alt, seine große Schwester ca. 7 – 8 Jahre.
 
Während des Gespräches der Dreien wurde auch die Geburtstagsfeier der großen Schwester in der ersten Januarwoche angesprochen. Die Mutter zählte auf, wer alles von Freunden und Familie zur Feier kommen sollte und wer nicht.
 
Nach der Aufzählung stellte die Mutter die Frage an beide Kinder, was es denn zu essen geben sollte. Die große Schwester fragte vorsichtig, wie viele Personen denn insgesamt kommen sollen. Bevor die Mutter auch nur die Chance einer Antwort hatte, kam vom kleinen Jungen in einem Brustton der Überzeugung die Antwort auf alles: „Fischstäbchen!“
 
Leichtes Entsetzen las man auf dem Gesicht der Mutter. Heftiges Stirnrunzeln war die unausgesprochene Antwort der Schwester. Ich musste mich schwer zurückhalten nicht lauthals loszulachen. „Fischstäbchen, natürlich“, dachte ich, „warum fiel mir das nicht ein?“ Mein innerliches Grinsen wurde breiter.
 
Die Mutter erwiderte, dass Fischstäbchen für 18 Personen dann doch etwas zu viel Aufwand wäre. Damit war der Kampfgeist des „Fischstäbchenkönigs“ aber sowas von geweckt. Mit majestätischer Selbstverständlichkeit verkündete er: „Dann bekommt halt jeder nur ein Fischstäbchen. Dann geht das“.
 
Ein breites Grinsen zierte mein Gesicht, innerlich gab es kein Halten mehr. Der „Fischstäbchenkönig“ hatte gesprochen. Mein innerer Chefkoch verdrehte die Augen und murmelte: „Dann muss halt mehr Kartoffelbrei her“.
 
Die Antwort der Mutter ist mir leider nicht vergönnt gewesen, da sie am Harras ausgestiegen sind.
 
Geblieben ist die Freude über den „Fischstäbchenkönig“. Manche „Befehle“ können einfach nur einfach sein.
 
Danke!

Trilogie des Liebens – Teil 1

von Gastautorin Verena Zelger

Silke und Tom trafen sich zum ersten Mal in der Wohnheimbar. Der Raum war ganz in schwarz gehalten. Schwarze Räume waren damals ein Ausdruck jugendlicher Auflehnung gegen den Staat, die Eltern, gegen das Sein. Die 80er. 

Wild und ungestüm fühlten sich Silke und Tom, als sie abstürzten. Als sie am selben Abend ihres Kennenlernens in sein Zimmer verschwanden und miteinander schliefen. Als sie sich am nächsten Tag verstohlen trennten. Silke sich raus schlich aus dem Zimmer und sich ein bisschen ordinär fühlte, hemmungslos. Und feststellte, dass sie diese Seite an sich mochte. Und Tom in seinem Zimmer zufrieden weiter schlief und erkannte, dass er Deutschland mochte. Und die Deutschen.

Silke und Tom sahen sich eine Woche später wieder in der Bar. Und unterhielten sich. Und Silke erkannte, dass Tom ein guter Kerl war, wie man sagte. Und Tom erkannte, dass Silke sein Typ war. Da verabredeten sie sich und gingen raus, auf einen Spaziergang und setzten sich in den Park ins Gras und redeten und erkannten, dass sie sich mochten.

Sie erzähten sich viel, Silke und Tom. Tom erzählte Silke von Chicago, der Stadt, in der er geboren wurde, in der er studierte und wohin er in fünf Monaten zurückkehren würde. Und Silke erzählte Tom von ihrer Mutter, von ihrem Kater und dem 3.000 Seelendorf, aus dem sie kam und in dem sie nie wieder leben wollte.

Ein Treffen folgte auf das nächste und eines Tages, zwei Monate waren nun um, da entschieden Silke und Tom, sie wären ein Paar, von nun an. Und Silke war glücklich und lehnte sich an Tom. Und Tom umarmte Silke und fühlte sich frei.

„Tom?“

„Ja?“

„Liebst du mich?“

„Yes, darling, I love you.“

Tom fuhr mit Silke nach 3.000 Seelendorf und war begeistert. Und sie war begeistert, dass er begeistert war. Ihre Mutter war begeistert, dass beide begeistert waren. Das ganze Dorf war überrascht und aufgeregt, ein Amerikaner und eine von uns, das war ungewöhnlich. Die Silke war ja immer schon eine gewesen, die raus wollte in die Welt.

Deswegen studierte sie. Sie hatte ihren eigenen Kopf. Einen Kopf, der Tom gefiel.

Sie fuhren zurück nach Leipzig. Tom spürte es, und trotzdem fragte er:

„Do you love me?“

„Ja, ich liebe dich!“

Und während sie es genossen zu wissen, dass sie sich liebten – denn das taten sie – vergingen die Monate, einer nach dem anderen. Und da sie sich liebten und die Zeit gern miteinander verbrachten, vergingen die Monate schnell.

„Wer sagt, dass du zurück musst?“

Tom wollte etwas sagen, doch was, das wusste er nicht.

„Bleib“, sagte sie, während sie mit ihm zum Flughafen fuhr.

Er stieg in das Flugzeug, Airbus A310, seit drei Monaten in Betrieb. Das wusste er, der Ingenieur. Silke interessierte sich nicht für den Flugzeugtypen, sondern für den Einen, der gleich auf 8A Platz nehmen würde. Sie schaute zu, wie das Flugzeug abhob und er sich von ihr entfernte.

„Bye“, flüsterte sie.

Wie geht es weiter mit Silke und Tom?
Hier geht es zu Teil 2.

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